Eine Diskussionsveranstaltung der Antifaschistischen Aktion Hannover [AAH] in Kooperation mit dem AStA der Universität Hannover mit Detlef Hartmann:

Europa ist schon jetzt irreversibel verändert. Eine parademokratische Machtallianz, am deutlichsten konzentriert im Netz um Merkel, Sarkozy, EZB, Brüsseler Spitzen und IWF, arbeitet unter dem Druck der »Märkte« ohne jegliche legitimierende Basis an der Formierung eines neuen Imperiums unter deutscher Hegemonie. Ein »neumittelalterliches Reich«, sagt Jan Zielonka aus Oxford. Das »Vierte Reich« sagt der englische Publizist Simon Heffer. »Gauleiter« sagen die GriechInnen zum deutschen Vorschlag eines Sparkommissars.

Zusammen mit John Malamatinas hat Detlef Hartmann in »Krisenlabor Griechenland« den Weg der Formierung dieser Machtallianz nachgezeichnet, im minutiösen Bericht über einen regelrechten sozialen Krieg. Unter der Oberfläche politologischer Debatten und des langweiligen Geredes über Sparen und Zinsen wurde die Finanz- und Schuldenkrise als der Grund, das Medium, der Motor dieses Krieges dechiffriert. Die Schuldenkrise, die die Finanzkrise lediglich in ein neues Stadium übersetzt, ist das Produkt einer epochalen Innovationsoffensive aus der Fed. (die amerikanische Bundesbank) und dem Finanzministerium. Sie zielte nicht nur auf den Durchbruch seiner IT-Leitsektoren und neuer Finanztechniken. Sie zielte auf die umfassende endgültige Zerstörung der alten Produktions- und Lebensverhältnisse und der in ihnen verankerten sozialen Rechte unter einem neuen kapitalistischen Kommando. Diese soziale Entwertung wird nun in der Schuldenkrise forciert, im Versuch einer regulierten Depression. Auch in den USA, aber verschärft in Europa.

Die Krise wird systematisch genutzt für die Vertiefung dieses umfassenden Zerstörungs- und Reorganisationsprojekts. Griechenland dient dafür als Labor. Von hier aus strahlt die Gewaltsamkeit der Zugriffe in die gesamten europäischen Auseinandersetzungen aus. Das Ende des Transformationsprojekts ist nicht abzusehen. Es ist mit neuen Formen des Widerstands, der Gegenmacht und Selbstorganisation von unten konfrontiert. Wie zuvor in der Geschichte sind sie es, die über das Gelingen des kapitalistischen Projekts entscheiden. Es geht darum, in den innereuropäischen, nordafrikanischen, amerikanischen Kämpfen als Teilen eines weltweiten Kampfzyklus die verborgene Agenda des epochalen Konflikts mit dem kapitalistischen Reorganisationsprojekt zu entziffern. Und erst von hier aus ist auch die Frage zu behandeln, was es mit dem »Vierten Reich« wirklich auf sich hat. Wird hier die wilhelminische imperiale Mitteleuropastrategie, Vorläuferin der nazistischen Großraumstrategie, neu erbrütet? Detlef Hartmann sagt: Ja! Kann der Widerstand sie stoppen? Das muss diskutiert werden. Im Vorgriff auf seine Arbeit über »Krisen, Kriege, Kämpfe« wird er dazu einige Thesen zur Diskussion vorstellen.

Detlef Hartmann, ehemaliger Mitarbeiter der »Autonomie«, lebt als Rechtsanwalt in Köln und gehört zum Redaktionskollektiv der »Materialien für einen neuen Antiimperialismus«.

Montag, 5. März 2012, 20 Uhr,
UJZ Korn